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Vorweihnachtliche Kapitalmarktfreuden

Experten-Ausblick

Die chinesische Konjunktur hat merklich an Schwung verloren. Ein Grund hierfür ist der Handelskonflikt. Um die Binnenkonjunktur abzufedern, hat die Regierung in Peking zu Jahresbeginn Abgabensenkungen von rund 2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf den Weg gebracht. Zwar deutet der positive Caixin-Einkaufsmanagerindex für die Privatunternehmen erneut auf eine Stimmungsverbesserung hin, da diese jedoch nur ein Drittel der Industrie umfassen, ist deren Aussagekraft für die Gesamtwirtschaft Chinas begrenzt.

 

Mittelfristig lautet die Frage nicht ob, sondern wie die Wachstumsverlangsamung Chinas verläuft. Ziel ist ein strukturell nachhaltigeres Wachstum (stärker konsumbasiert, weniger investitions- und exportabhängig, Begrenzung der Unternehmensverschuldung).

Die US-Wirtschaft ist bisher überraschend wenig vom weltweiten Gegenwind ausgebremst worden. Gestützt durch den privaten Konsum hat das BIP im dritten Quartal mit einer laufenden Jahresrate von 2,1% zugelegt, im Einklang mit dem Durchschnittswachstum im aktuellen Aufschwung. Befürchtungen einer deutlichen Abkühlung des Arbeitsmarktes dürften sich auch im November nicht bewahrheiten und das Verbrauchervertrauen aufgehellt bleiben. Im Gegensatz zu dem vom Conference Board erhobenen Konsumentenvertrauen hatte sich der Uni Michigan Index zuletzt den dritten Monat in Folge verbessert und bewegt sich deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Für die Fed ergibt sich derzeit kein weiterer Handlungsbedarf.

Im Euroraum ist ein Ende der Konjunkturflaute vorerst nicht in Sicht. In Deutschland dürften die Auftragseingänge in der Industrie und die Produktionszahlen die anhaltende Talfahrt in diesem exportorientierten Wirtschaftssektor untermauern. Die Gretchenfrage bleibt, wie lange die robuste Binnenkonjunktur – gestützt durch den festen Arbeitsmarkt, moderaten Lohnauftrieb und die günstigen Finanzierungsbedingungen – und der stark von der Binnennachfrage abhängige Dienstleistungssektor einen Abschwung in der Breite abfedern können. Ein moderates Plus beim Einzelhandelsumsatz – ein wichtiger Indikator für den privaten Verbrauch im Euroraum – wäre wenig überraschend.

Insgesamt werden die Wirtschaftsdaten vermutlich noch nicht für eine spürbare konjunkturelle Trendumkehr sprechen.

Das (geo-)politisches Umfeld wiederum bleibt in den kommenden Monaten anspruchsvoll und könnte der Feststimmung an den Börsen einen Dämpfer verpassen. Das Augenmerk richtet sich u.a. auf die für die weiteren Brexit-Perspektiven maßgeblichen Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich am 12. Dezember und die für den 15. Dezember geplanten US-Zölle auf Einfuhren aus China, die ein Warenvolumen von etwa 160 Mrd. US-Dollar betreffen. Ein Abschluss eines Phase-1-Abkommens bleibt fraglich, sollten die Zollankündigungen Realität werden.

An den Rentenmärkten üben die anhaltenden Unwägbarkeiten für sich genommen Renditeabwärtsdruck aus. Ohne erneute Spekulationen auf weitere geldpolitische Lockerungen bleibt das Potential für weitere Renditerückgänge jedoch begrenzt. So ist der jüngste Renditeanstieg auch als eine Reaktion auf zuvor überschäumende Zinssenkungserwartungen zu interpretieren.

Zwar ist in der Adventszeit nicht mit zusätzlichen „(Zentralbank-)Geldgeschenken“ zu rechnen, doch wurden in den vergangenen Wochen Hoffnungen auf einen prall gefüllten fiskalpolitischen Gabentisch geweckt. Doch seit Kindertagen wissen wir: Selten werden zu Weihnachten sämtliche Wünsche erfüllt.

  • In den USA haben sich der republikanische Präsident Trump und die Demokraten darauf geeinigt, die Obergrenze für diskretionäre Staatsausgaben spürbar anzuheben. Für das aktuelle Haushaltsjahr, das im Oktober begonnen hat, geht dies mit Mehrausgaben von rund 150 Mrd. US-Dollar (ca. 0,7% des BIP) einher.
  • In Großbritannien ist unabhängig vom Wahlausgang mit einem Stimulus zu rechnen. Im Falle einer konservativen Mehrheit wäre ein Anstieg der Neuverschuldung in den kommenden Jahren auf 3,0% des BIP denkbar (ggü. 1,9% im Vorjahr). Sollte Labour das Zepter übernehmen, wäre angesichts zusätzlicher Investitionsausgaben mit einem noch höheren Haushaltsdefizit zu rechnen.
  • Im Euroraum werden die meisten Mitgliedsländer im kommenden Jahr ihre Finanzpolitik lockern – allen voran Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Griechenland. Insgesamt dürfte sich der strukturelle Primärsaldo gemäß den Haushaltsentwürfen um etwa 0,4% des BIP verschlechtern, was einen Wachstumsimpuls von etwa ¼% entspricht. Während diese leicht expansive Fiskalpolitik zwar die Konjunkturschwäche abfedert, sollte sie nicht mit einer „dicken Bertha“ verwechselt werden, v.a. auf einer koordinierten europäischen Ebene.

In einem Kapitalmarktumfeld, in dem die eine oder andere Rute politischer Unwägbarkeiten lauert und in dem hohe Erwartungen an geld- und fiskalpolitische Gaben enttäuscht werden könnten, ist weiterhin das Fingerspitzengefühl aktiver Fondsmanager gefragt.

Ann-Katrin Petersen
Vice President, Global Economics & Strategy bei Allianz Global Investors

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