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Divestment – und wie es Kommunen damit halten

Gastbeitrag: Angela McLellan, FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.

„Welche Rolle spielt Geld beim Klimaschutz?“ Dieser Frage gehen Kommunen nach, wenn sie sich mit Divestment beschäftigen und beim Klimaschutz neben den klassischen Themen wie Energie und Verkehr auch Finanzanlagen einbeziehen. Unter Divestment versteht man den Abzug von Finanzmitteln aus klimaschädlichen Geldanlagen, insbesondere in fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas.

Angesichts der globalen Klimakrise fordern sowohl zivilgesellschaftliche Bewegungen als auch Politiker/innen unterschiedlicher Parteien ein rasches und konsequentes Handeln beim Klimaschutz – in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens. Die Umsetzung politischer Beschlüsse wie des Pariser Klimaabkommens bedeutet eine Abkehr von fossilen Energieträgern. Die Transformationsrisiken der Energiewende sollten jetzt in die Unternehmensplanung einbezogen werden. Sonst steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies negativ auf den zukünftigen Wert der Unternehmen auswirken wird. Da die Bewertung börsennotierter Unternehmen in der Regel auf kurzfristigen Cashflow-Größen basiert und weniger von mittel- bis langfristigen Klima- und Umweltfaktoren beeinflusst wird, ist anzunehmen, dass Unternehmen deren Wert an den Vorräten fossiler Brennstoffe hängt, derzeit stark überbewertet sind. Diese Überbewertung wird auch als Kohlenstoffblase bezeichnet. Bricht die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ein, kommt es somit zum Platzen dieser Blase und entsprechenden Wertverlusten bei Unternehmen, deren Geschäftsmodell davon abhängt. Diese Unternehmen werden folglich zu verlorenen Wertanlagen – zu sogenannten stranded assets.

Ein Divestment kann Kommunen dabei helfen die Auswirkungen dieser Transformationsrisiken auf das eigene Portfolio zu minimieren. Werden dann beim Re-Investment der freigewordenen Gelder noch nachhaltige Kriterien angelegt, lenkt man die Finanzströme gleichzeitig in zukunftsfähige, saubere Bahnen. Unter nachhaltigen Geldanlagen versteht man die Umlenkung von Finanzmitteln unter Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien (ESG-Kriterien). Mittlerweile hat auch die EU und die Bundesregierung die zentrale Rolle von Kapitalanlagen zur Erreichung der Klima und Umweltziele erkannt. Mittels verschiedener Legislativpakete und Maßnahmen sollen zum einen mehr Mittel in nachhaltige Projekte fließen und zum anderen Sustainable Finance für private und institutionelle Investoren zugänglicher gemacht werden.

Das lang gehegte Vorurteil gegenüber nachhaltigen Geldanlagen, dass diese vergleichsweise weniger renditestark sind, ist mittlerweile durch eine Vielzahl an Studien wiederlegt. Wissenschaftliche Untersuchungen (Bassen et al. 2015 und 2018). zeigen, dass nachhaltige Geldanlagen eine vergleichbare Rendite erzielen, wenn nicht sogar besser abschneiden. Denn Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit achten, sind langfristig stabiler aufgestellt. Auch die aktuelle Coronakrise zeigt, dass Indizes mit Nachhaltigkeitskriterien besser abschneiden als vergleichbare Indizes ohne Nachhaltigkeitskriterien.

Mit einem Divestment und nachhaltigem Re-Investment werden Kommunen Teil einer weltweit wachsenden Bewegung von über 1.000 Kommunen, Universitäten, Stiftungen, aber auch Pensionsfonds, Versicherungen und privaten Akteuren. In Deutschland haben inzwischen 13 Kommunen unterschiedlicher Größe und Haushaltssituation ein Divestment verkündet. Städte wie Bonn, Münster, Stuttgart, Leipzig, Nürnberg und Berlin zeigen, dass Rendite, Risikominimierung und Klimaschutz vereinbar sind. Neben den deutschen Kommunen und Städten, haben sich teilweise auch Bundesländer wie Schleswig Holstein, Reinlandpfalz, Hessen, Brandenburg und Baden Württemberg für ein Divestment entschieden.

Die Erfahrung zeigt: Ein Divestment zahlt sich in doppelter Hinsicht aus. Zum einen unterstützen Kommunen mit einer nachhaltigen Anlage ihrer Gelder eine wirtschaftliche Transformation. Zum anderen erzielen sie eine Rendite, die der einer konventionellen Anlage in nichts nachstehen muss und vermeiden darüber hinaus durch die Antizipation von Transformationsrisiken Verluste.

Wir bedanken uns für diese Inhalte beim FNG – Forum für Nachhaltige Geldanlagen e.V., dem Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Dieser Beitrag ersetzt keine umfassende oder objektive Recherche und stellt weder eine Kaufempfehlung durch Mitarbeiter der Netfonds Gruppe, noch eine Werbung in irgendeiner Form dar.

Das FNG – Forum für Nachhaltige Geldanlagen e.V. repräsentiert über 200 Mitglieder, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft einsetzen. Dazu zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Ratingagenturen, Finanzberater, wissenschaftliche Einrichtungen und Privatpersonen. Das FNG fördert den Dialog und Informationsaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und setzt sich seit 2001 für verbesserte rechtliche und politische Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments ein. Es verleiht das Transparenzlogo für nachhaltige Publikumsfonds, gibt die FNG-Nachhaltigkeitsprofile heraus und hat das FNG-Siegel, den SRI-Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds (seit 2015) entwickelt. Das FNG ist außerdem Gründungsmitglied des europäischen Dachverbandes Eurosif.

Das FNG ist neben adelphi und dem Klima-Bündnis Teil des Projektkonsortiums „Klimafreundlich Investieren. Kommunales Divestment und Re-Investment“. Das Projekt wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert und läuft vom Januar 2018 bis November 2020.

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Bild: pixabay.com

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