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Auf dem Eskalationspfad

Experten-Ausblick

Im Handelskonflikt zwischen China und den USA ist vorerst keine Entspannung in Sicht. Die Märkte sind zurecht verunsichert. Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege bei der DWS, wirft einen aktuellen Blick auf die Situation.

Mit der Ankündigung, ab nächstem Monat alle Importe aus China mit Strafzöllen zu belegen, hat der US-Präsident wieder einmal die Märkte schockiert. Die Antwort aus China ließ nicht lange auf sich warten: Das Reich der Mitte hat den Kauf von US-Agrarprodukten ausgesetzt, eine Maßnahme, die besonders die Farmer im mittleren Westen der USA trifft. Diese Staaten wiederum sind wichtig für Trumps Wiederwahl. Dass der chinesische Renminbi um gut 2% gegenüber dem Dollar abgewertet hat, komplettierte das Bild.

Trump bezichtigte daraufhin China der Währungsmanipulation. Wir haben in den vergangenen Jahren schon mehrere Wellen der Eskalation, gefolgt von Phasen der graduellen Entspannung, gesehen. Im Mai sorgte die Ankündigung, die Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von 10 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen, für Unruhe an den Märkten. Der amerikanische Aktienmarkt gab in der Folge um mehr als 6 Prozent nach. Als sich eine Entspannung für den G20-Gipfel in Osaka Ende Juni andeutete, fanden die Märkte wieder einen Boden. Die Aussicht auf einen expansiveren Pfad der US-Notenbank half der Wall Street dann zusätzlich auf die Sprünge. Der S&P 500 konnte in der Folge wieder um 10 Prozent zulegen und erreichte im Juli neue Höchstmarken, bevor Donald Trumps Tweets ihn im August erneut auf Talfahrt schickten.

Insofern könnte man vermuten, dass sich dieses Muster wiederholt, und auf die Eskalation versöhnlichere Töne folgen. Wir wären da, zumindest kurzfristig, jedoch eher vorsichtig. Erstens steigt mit jeder unerwarteten Kehrtwende der US-Administration das Risiko, dass Peking das Interesse an einer raschen Lösung des Konfliktes verliert. Stattdessen könnte China einen Machtwechsel in Washington abwarten, und notfalls auf weitere US-Provokationen mit gezielten Maßnahmen reagieren, die darauf angelegt sind, Trumps Wiederwahl zu gefährden.

Zweitens hat der Handelsstreit mit der jüngsten Ankündigung eine neue Qualität erreicht. Waren bisher nur Industriegüter von den Strafzöllen betroffen, so werden, sollte die US-Administration ihre Drohung in die Tat umsetzen, ab September auch Konsumgüter den Zöllen unterliegen. Deren Preise würden steigen, was wiederum ein schlechtes Omen für die Shopping-Saison im vierten Quartal wäre. Die Notenbanken könnten zwar mit weiteren Zinssenkungen den Schmerz etwas lindern, allerdings wird billiges Geld keine Handelskonflikte lösen. Besonders exportorientierte Länder wie Deutschland und Japan könnten auch makro-ökonomisch noch kräftig zu leiden haben, falls der Konflikt zwischen den USA und China weiter eskaliert.

Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege DWS

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